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Sanitätsdienstliche Grossereignisse

Die KWRO überprüft regelmässig anhand eines jährlichen Monitoringberichts, ob das Rettungsdispositiv noch dem Bedarf von Einheimischen und Gästen entspricht oder angepasst werden muss. Das Rettungsdispositiv ist für «Normalsituationen» gedacht. Kommt es allerdings zu einem Ereignis, bei dem viele Patienten gleichzeitig behandelt werden müssen, sind zusätzliche Mittel nötig. Man spricht in diesem Fall von einem «Grossereignis».

Beim Walliser Rettungswesen denken die meisten an Bergrettung und Tourismus, doch das Wallis ist auch der Kanton mit den zweitmeisten chemischen Gefahren (nach Basel). Zudem ist unsere Region einem erhöhten Erdbebenrisiko ausgesetzt. Auch Pandemien und extreme Hitzewellen können sich unter Umständen zu einem Grossereignis entwickeln.

Um für solche Situationen gewappnet zu sein, muss ein entsprechendes Grossereignis-Dispositiv in Bereitschaft gehalten werden, dessen Ziel es ist, mit rasch aufbietbaren Einsatzmitteln und -kräften in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Personen zu retten.

Es ist wichtig, dass das Konzept dieses Dispositivs von Anfang an gut durchdacht und geplant wird. Anhand mehrerer vom Bund vorgegebener Szenarien (bakterielle, nukleare, chemische Ereignisse, Naturgefahren, technologische und gesellschaftliche Auslöser) hat sich jeder Kanton vorzubereiten und gegebenenfalls entsprechende Einsatzpläne auszuarbeiten. So haben die spitalinternen und spitalexternen Gesundheitsakteure Einsatzstrategien für chemische Grossereignisse entwickelt. Das Kantonale Observatorium der Risiken (KORI) analysiert die verschiedenen Risiken mit einer Matrix, welche die beiden Dimensionen «Wahrscheinlichkeit» und «Schweregrad» berücksichtigt. Hierbei spielt das Schadenpotenzial eine wichtige Rolle (Anzahl Tote, Schwerverletzte/-erkrankte, Anzahl Personen mit Unterstützungsbedarf, Schäden an Landwirtschaft und Wäldern, materielle Schäden, voraussichtliche Dauer der Krise).

Schon nur diese Punkte zeigen, wie komplex die richtige Vorbereitung auf ein Grossereignis ist. Hinzu kommt, dass bei einem solchen Ereignis verschiedene Blaulichtorganisationen und öffentliche Stellen Hand in Hand arbeiten müssen.Ziel der Grossereignis-Planung ist es, möglichst rasch mit möglichst wenig Verlusten von Menschenleben die normale Lage wiederherzustellen. Hierzu muss die Planung verschiedene Aspekte umfassen:

  • Analyse der notwendigen menschlichen Ressourcen (Anzahl und Art der Einsatzkräfte) und technisch-materiellen Ressourcen (medizinisches Material, Kommunikationsmittel, Transportmittel, Energiequellen usw.)
  • Schulung der Einsatzkräfte für ihre spezifischen Aufgaben im Falle eines Grossereignisses
  • Sensibilisierung der Bevölkerung für das richtige Verhalten im Ereignisfall. So ist es zum Beispiel empfehlenswert, immer eine Tasche mit Wasser, Energieriegeln, etwas Geld, einer Taschenlampe, Medikamenten und einer Alu-Wärmedecke bzw. warmen, regendichten Kleidern griffbereit zu haben.

In bestimmten Fällen ist das kantonale Grossereignis-Dispositiv auf nationale oder sogar internationale Hilfe angewiesen. Hierfür müssen die entsprechenden Abläufe vorgesehen werden. Auch die Rückkehr zum Normalbetrieb will gut vorausgeplant sein. Bei längeren Einsätzen muss sichergestellt werden, dass genügend Ablösepersonal und Materialnachschub bereitsteht. Um diese Parameter besser abschätzen zu können, gibt es verschiedene Indikatoren.

Das Wallis ist gut aufgestellt, um mit den meisten Arten von sanitätsdienstlichen Grossereignissen umzugehen. Das Grossereignis-Dispositiv der KWRO umfasst nahezu 100 Personen. Hierzu gehören:

  • Die Führungsorgane: 16 Einsatzleiter Sanität (EL San) und 5 Leitende Notärzte (LNA), verteilt auf die beiden Sprachregionen des Kantons.
  • Die Verantwortlichen der KMS-Detachements (kantonale mobile Sanitätshilfsstellen) und ihre Stellvertreter: 3 bis 8 Rettungssanitäter.
  • Die zusätzlichen Einsatzkräfte: ca. 70 Rettungssanitäter, Ärzte, Pflegefachpersonen und Samariter.

Bei Grossereignissen kommen spezifische Einsatzmittel zum Zug: das KMS-Fahrzeug (enthält sämtliches Material für den Aufbau einer Sanitätshilfsstelle), das OKP-Fahrzeug (operativer Kommandoposten), die Dekontaminationscontainer und das DETOX-Fahrzeug.

Das Dispositiv steht sowohl an der Front als auch im rückwärtigen Bereich (Notrufzentrale 144) unter dem Kommando der KWRO. Übersteigt das Ereignis ein bestimmtes Mass, wird das kantonale Führungsorgan (KFO) aktiviert. Dieses besteht aus mehreren Sektoren, wobei der Sanitätssektor vom Kantonsarzt unter Mitwirkung des KWRO-Direktors geführt wird.

Für den Erdbebenfall hat jede Blaulichtorganisation ihr eigenes Konzept. Im Sanitätsbereich sind die Abläufe für ein solches Ereignis genau geregelt. Dank mehrerer dezentraler Materiallager können die ersten Stunden der Katastrophe – unabhängig vom Ereignisort – gut bis zum Eintreffen weiterer Einsatzkräfte überbrückt werden.

Spital- und Rettungswesen haben ihre Aktionen im Hinblick auf den Ereignisfall bereits koordiniert. Diese Koordination muss nun auf sämtliche Einsatzkräfte ausgeweitet werden. Ebenso sind noch die restlichen Materialanschaffungen und Personalschulungen vorzunehmen.

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